Passionsblume wird häufig in Tees, pflanzlichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet – besonders dann, wenn es um Ruhe, Stress und Schlaf geht.
Wissenschaftlich ist dabei eine wichtige Unterscheidung nötig: Passiflora incarnata ist nicht automatisch mit jedem anderen Passionsblumenprodukt vergleichbar. Studien untersuchen unterschiedliche Pflanzenzubereitungen, Extrakte, Mengen und Personengruppen. Dieser Ratgeber erklärt, was über Passionsblume und Schlaf tatsächlich bekannt ist und was sich daraus nicht auf BetterSleep oder andere Produkte übertragen lässt.
Das Wichtigste in Kürze
Was ist Passionsblume?
Passionsblumen bilden eine Pflanzengattung mit zahlreichen verschiedenen Arten. Im Zusammenhang mit pflanzlichen Zubereitungen für Stress und Schlaf ist insbesondere Passiflora incarnata L. relevant.
Deshalb sollte der allgemeine Begriff „Passionsblume“ nicht ohne Weiteres auf jede Art der Gattung übertragen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen und pflanzliche Monografien beziehen sich auf konkret definierte Pflanzenarten und Zubereitungen.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Passiflora incarnata L., herba unter der Bezeichnung Passiflorae herba. [1]
Wichtig: Wenn eine Studie Passiflora incarnata untersucht, lässt sich das Ergebnis nicht automatisch auf jede andere Passionsblumenart oder jedes beliebige Pflanzenprodukt übertragen.
Welcher Teil der Passionsblume wird verwendet?
Für die von der EMA beschriebenen pflanzlichen Zubereitungen werden die oberirdischen Teile der Passiflora incarnata verwendet. [1]
Dazu gehören die getrockneten oberirdischen Pflanzenteile, aus denen beispielsweise zerkleinertes Pflanzenmaterial, Pulver sowie flüssige oder trockene Extrakte hergestellt werden können.
Das ist für die Bewertung von Studien entscheidend. Ein Tee aus getrocknetem Passionsblumenkraut ist nicht automatisch mit einem konzentrierten Trockenextrakt vergleichbar.
Auch zwei Trockenextrakte können sich unterscheiden, beispielsweise durch das verwendete Extraktionsmittel, das Verhältnis zwischen Ausgangspflanze und Extrakt oder ihre Standardisierung.
Welche Inhaltsstoffe stecken in Passionsblumenkraut?
Passionsblumenkraut enthält verschiedene pflanzliche Inhaltsstoffe. Besonders häufig werden dabei Flavonoide beschrieben.
Im EMA-Assessment-Report wird für die getrocknete pflanzliche Droge unter anderem ein Mindestgehalt an Gesamtflavonoiden, ausgedrückt als Vitexin, beschrieben. [2]
Zu den in Passiflora incarnata beschriebenen Flavonoiden gehören verschiedene strukturell verwandte Pflanzenstoffe. Aus dem Vorhandensein dieser Stoffe allein lässt sich jedoch keine bestimmte Wirkung eines konkreten Präparats ableiten.
Pflanzenextrakt ≠ einzelner Wirkstoff: Anders als beispielsweise bei 1 mg eines klar definierten Einzelstoffs kann ein Pflanzenextrakt zahlreiche unterschiedliche Bestandteile enthalten. Deshalb ist für seine Einordnung die konkrete Zubereitung besonders wichtig.
Wie ordnet die EMA Passionsblume ein?
Die Europäische Arzneimittel-Agentur beschäftigt sich mit Passionsblumenkraut im Rahmen pflanzlicher Arzneimittel.
Der zuständige Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel kommt zu dem Ergebnis, dass bestimmte Zubereitungen aus Passiflora incarnata aufgrund ihrer langjährigen traditionellen Verwendung zur Linderung leichter Symptome psychischer Belastung und zur Unterstützung des Schlafs verwendet werden können. [1]
Entscheidend ist die Grundlage dieser Einordnung: Es handelt sich um einen Traditional-Use-Kontext.
Die EMA erklärt, dass für eine solche traditionelle pflanzliche Verwendung zwar keine ausreichenden klinischen Studiendaten für einen sogenannten „well-established use“ vorliegen müssen, die Wirksamkeit aufgrund der langjährigen Anwendung und Erfahrung jedoch plausibel erscheint. [1] [2]
EMA-Monografie ≠ Health Claim für Supplements: Diese Einordnung betrifft konkret definierte pflanzliche Arzneimittel. Sie darf nicht einfach als Wirkungsnachweis für ein Nahrungsergänzungsmittel mit Passionsblumen-Extrakt übernommen werden.
Diese Unterscheidung kennen wir auch von anderen Pflanzenextrakten. Warum beispielsweise auch Ergebnisse bestimmter Baldrian-Zubereitungen nicht pauschal auf jeden Baldrianextrakt übertragen werden können, erklären wir in unserem Ratgeber zu Baldrian und Schlaf .
Was zeigen Studien zu Passionsblume und Schlaf?
Neben der traditionellen Verwendung existieren einige klinische Untersuchungen zu Passiflora incarnata und verschiedenen Schlafparametern.
Die Ergebnisse sind interessant, sollten aber nicht isoliert betrachtet werden. Die Studien unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Zubereitung, Dosierung, Untersuchungsdauer und Teilnehmergruppen.
Passionsblumentee bei gesunden Erwachsenen
Eine 2011 veröffentlichte doppelblinde, placebokontrollierte Untersuchung beschäftigte sich mit Passiflora-incarnata-Tee und Schlaf. [3]
An der Untersuchung nahmen 41 gesunde Erwachsene teil. Die Teilnehmer erhielten in einem wiederholten Studiendesign sowohl Passionsblumentee als auch ein Placebogetränk.
Dabei wurde unter anderem die subjektiv wahrgenommene Schlafqualität anhand von Schlaftagebüchern untersucht.
Für die subjektive Schlafqualität zeigte sich ein statistischer Unterschied zugunsten des Passionsblumentees. [3]
Die Untersuchung ist jedoch klein und beschäftigte sich mit einem Tee bei gesunden Erwachsenen.
Daraus kann deshalb weder eine allgemeine Behandlungsempfehlung für Insomnie noch eine Aussage über einen beliebigen Passionsblumenextrakt abgeleitet werden.
Zweiwöchige Studie bei Menschen mit Insomnie
Eine 2020 veröffentlichte doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Studie untersuchte Passiflora incarnata bei Erwachsenen, die die Einschlusskriterien einer Insomnie erfüllten. [4]
Insgesamt erfüllten 110 Erwachsene die Einschlusskriterien. Nach der Randomisierung wurde für zwei Wochen entweder der untersuchte Passionsblumenextrakt oder Placebo verwendet.
Anders als in der Teestudie kamen dabei unter anderem polysomnografische Messungen zum Einsatz – also objektive Schlafmessungen in einem Schlaflabor.
Beim Vergleich der Gruppen wurde unter anderem eine Zunahme der gemessenen Gesamtschlafzeit für die Passionsblumengruppe berichtet. [4]
Andere untersuchte Schlafparameter zeigten jedoch nicht durchgehend einen eindeutigen Unterschied zwischen Passionsblume und Placebo.
Ein einzelner positiver Schlafparameter reicht nicht für eine allgemeine Aussage: Eine Veränderung der Gesamtschlafzeit bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Aspekte von Schlaf oder Insomnie verbessert wurden.
Studie aus dem Jahr 2024
Eine weitere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Untersuchung aus dem Jahr 2024 beschäftigte sich mit Personen, die sowohl unter Stress als auch unter Schlafproblemen litten. [5]
Insgesamt wurden 65 Teilnehmer randomisiert. Untersucht wurde ein standardisierter Extrakt aus den oberirdischen Teilen von Passiflora incarnata über einen Zeitraum von 30 Tagen.
Die Autoren berichteten gegenüber Placebo Unterschiede unter anderem bei Stresswerten und einzelnen Schlafparametern wie der Gesamtschlafzeit. [5]
Auch diese Studie ist jedoch kein Nachweis für Passionsblumenextrakte im Allgemeinen.
Es wurde ein konkret definierter proprietärer Extrakt untersucht. Zudem legen die Autoren Interessenkonflikte offen: Zwei Autoren gaben eine Beschäftigung bei dem Unternehmen an, das mit diesem Extrakt verbunden ist. [5]
Unsere Einordnung: Auch eine randomisierte und placebokontrollierte Studie muss immer im Kontext des untersuchten Präparats, der Teilnehmerzahl, der Studiendauer und möglicher Interessenkonflikte bewertet werden.
Warum lassen sich die Studien nicht einfach vergleichen?
Bei pflanzlichen Extrakten reicht es nicht aus, lediglich den Pflanzennamen miteinander zu vergleichen.
Zwischen zwei Passionsblumenpräparaten können unter anderem folgende Unterschiede bestehen:
- verwendeter Pflanzenteil,
- Extraktionsverfahren,
- Extraktionsmittel,
- Verhältnis von Ausgangspflanze zu Extrakt,
- Gehalt bestimmter Pflanzenstoffe,
- Standardisierung,
- täglich verwendete Extraktmenge.
Hinzu kommen Unterschiede zwischen den Studien selbst: gesunde Erwachsene sind eine andere Population als Menschen mit diagnostizierter Insomnie oder Teilnehmer mit gleichzeitig erhöhtem Stress.
Auch Schlaftagebücher und polysomnografische Messungen erfassen nicht exakt dasselbe.
Deshalb wäre eine Aussage wie „Passionsblume wurde in einer Studie untersucht, also gilt das Ergebnis für jeden Passionsblumenextrakt“ wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.
Welche Rolle spielen Flavonoide?
Bei Passionsblumenextrakten wird häufig der Gehalt an Flavonoiden angegeben.
Eine solche Standardisierung kann dabei helfen, einen Pflanzenextrakt analytisch genauer zu beschreiben und eine gleichmäßigere Zusammensetzung zwischen verschiedenen Chargen anzustreben.
Sie sollte jedoch nicht mit einem klinischen Wirknachweis verwechselt werden.
Das Europäische Arzneibuch beziehungsweise der EMA-Assessment-Report beschreibt für getrocknetes Passionsblumenkraut beispielsweise Anforderungen an den Gesamtflavonoidgehalt, ausgedrückt als Vitexin. [2]
Solche Angaben sind jedoch nicht automatisch direkt mit der Prozentangabe eines fertigen konzentrierten Extrakts vergleichbar.
Standardisierung ≠ nachgewiesene Schlafwirkung: Eine Angabe wie „4 % Flavonoide“ beschreibt zunächst die Zusammensetzung eines konkreten Extrakts. Sie beweist für sich allein nicht, dass dieser Extrakt eine bestimmte Wirkung auf den Schlaf hat.
Welche Mengen Passionsblume wurden untersucht?
Auch bei Passionsblume gibt es keine einzelne Milligrammzahl, die sich aus der gesamten Forschung als universelle „Schlafdosis“ ableiten lässt.
Bereits die genannten Untersuchungen zeigen das Problem: Eine Studie verwendete einen Passionsblumentee, während andere Studien definierte Extrakte einsetzten.
Selbst zwischen Extraktstudien unterscheiden sich verwendete Menge, Extraktionsverfahren und Standardisierung.
Deshalb ist die reine Zahl auf der Vorderseite eines Produkts nur ein Teil der Information.
100 mg eines Extrakts sind nicht automatisch schwächer oder stärker als eine höhere Menge einer völlig anderen Passionsblumen-Zubereitung.
Um Studien sinnvoll auf ein Produkt beziehen zu können, müsste vielmehr geprüft werden, ob tatsächlich dieselbe oder eine hinreichend vergleichbare Zubereitung untersucht wurde.
Passionsblume in Nahrungsergänzungsmitteln
Besonders wichtig ist die Trennung zwischen pflanzlichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.
Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel. Sie durchlaufen nicht dasselbe arzneimittelrechtliche Zulassungsverfahren wie Arzneimittel. [7]
Deshalb kann die traditionelle Arzneimittel-Einordnung der EMA nicht einfach als zugelassene Werbeaussage für ein Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden.
Was gilt für Botanical Health Claims?
Bei gesundheitsbezogenen Aussagen zu pflanzlichen Stoffen war die europäische Rechtslage lange von den noch nicht abschließend bewerteten sogenannten Botanical Health Claims geprägt.
Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil vom 30. April 2025 klargestellt, dass gesundheitsbezogene Aussagen zu pflanzlichen Stoffen in der Werbung für Lebensmittel grundsätzlich nicht verwendet werden dürfen, solange sie nicht zugelassen sind. [6]
Ausnahmen können nur bestehen, wenn die Voraussetzungen der einschlägigen Übergangsregelungen tatsächlich erfüllt sind.
Deshalb werden die EMA-Einordnung und die klinischen Untersuchungen in diesem Beitrag zur wissenschaftlichen Information dargestellt – nicht als Wirkversprechen für BetterSleep.
Wie ist Passionsblume in BetterSleep enthalten?
BetterSleep enthält pro empfohlener Tagesportion von einer Kapsel 100 mg Passionsblumen-Extrakt.
Der eingesetzte Extrakt ist auf 4 % Flavonoide standardisiert.
Bei 100 mg Extrakt entsprechen 4 % rechnerisch 4 mg Flavonoiden pro Tagesportion.
Passionsblume in BetterSleep
100 mg pro Kapsel
4 % Flavonoide
4 mg pro Tagesportion
1 Kapsel
Diese Angaben dienen der transparenten Beschreibung unserer Rezeptur. Ergebnisse aus Studien mit anderen Passionsblumen-Zubereitungen oder Dosierungen werden nicht als Wirkungsnachweis für BetterSleep übertragen.
Alle Inhaltsstoffe ansehen Studien & WissenschaftPassionsblumen-Extrakt ist dabei nur ein Bestandteil der Rezeptur. Unabhängig von einzelnen Inhaltsstoffen bleiben Schlafzeiten, Licht, Koffein, Alkohol, Schlafumgebung und andere Gewohnheiten eigenständige Faktoren rund um den Schlaf.
Diese Grundlagen behandeln wir ausführlich in unserem Ratgeber zur Schlafhygiene .
Häufige Fragen zu Passionsblume
Was ist Passiflora incarnata?
Hilft Passionsblume beim Einschlafen?
Wie bewertet die EMA Passionsblume?
Welcher Teil der Passionsblume wird verwendet?
Was bedeutet 4 % Flavonoide?
Sind alle Passionsblumenextrakte gleich?
Ist Passionsblumentee mit einem Extrakt vergleichbar?
Wie viel Passionsblume enthält BetterSleep?
Quellen & wissenschaftliche Grundlage
[1] European Medicines Agency (EMA):
Passiflorae herba – öffentliche Zusammenfassung zur
regulatorischen Einordnung von Passiflora incarnata L.,
herba im Rahmen pflanzlicher Arzneimittel.
EMA: Passiflorae herba
[2] European Medicines Agency / HMPC:
Assessment report on Passiflora incarnata L., herba.
Einordnung der pflanzlichen Zubereitungen,
traditionellen Verwendung und Inhaltsstoffe.
EMA-Assessment-Report öffnen
[3] Ngan A., Conduit R. (2011):
A double-blind, placebo-controlled investigation of the
effects of Passiflora incarnata (passionflower) herbal tea
on subjective sleep quality. Phytotherapy Research,
25(8), 1153–1159.
Studie bei PubMed
[4] Lee J. et al. (2020):
Effects of Passiflora incarnata Linnaeus on polysomnographic
sleep parameters in subjects with insomnia disorder:
a double-blind randomized placebo-controlled study.
International Clinical Psychopharmacology,
35(1), 29–35.
Studie bei PubMed
[5] Harit M. K. et al. (2024):
Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Clinical
Study of Passiflora incarnata in Participants With Stress
and Sleep Problems. Cureus, 16(3), e56530.
Volltext bei PubMed Central
[6] Gerichtshof der Europäischen Union:
Urteil vom 30. April 2025, C-386/23,
Novel Nutriology – gesundheitsbezogene Angaben zu
pflanzlichen Stoffen in Lebensmitteln und
Nahrungsergänzungsmitteln.
Urteil bei EUR-Lex
[7] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):
Gesundheitliche Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln –
rechtliche Einordnung von Nahrungsergänzungsmitteln
als Lebensmittel.
Informationen beim BfR